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Kulkas bagus

Aktualisiert: 24. Okt 2017

Gestern waren wir in dem Lager, wo die Flüchtlinge aus der Gegend von Tulamben untergebracht sind. Kein Haus. Kein Zelt. Ein Dach auf Pfeilern, ohne Wände, etwa 15 auf 20 Meter, im Hintergrund eine Art Küche (jedenfalls wird dort gekocht, sonst hat es keine Eigenschaften, die wir mit einer Küche verbinden), gegenüber in einem separaten Gebäude, sanitäre Einrichtungen. Das ist es. Keine Möbel, kein Stuhl, kein Tisch, kein Bett, nur einige blaue Kunststoffblachen, um den staubigen Betonboden abzudecken. Hier leben aktuell 758 Menschen. Ein paar seien schon wieder nach Hause gegangen, sagt der Verantwortliche von der Regierung. Vorher seien 820 Menschen hier untergebracht gewesen.


Wir sehen uns um. Hauptsächlich Frauen und Kinder jeden Alters, vom Säugling bis zum Teenager, sitzen in Grüppchen am Boden. Es wird kaum geredet, noch weniger gelacht, doch viele Menschen schenken uns ein freundliches Lächeln. Sie kennen uns schon. Wir hatten letzte Woche bereits Lebensmittel mitgebracht, Reis, Öl, Zucker, Kaffee, Nudeln ... ein Tropfen auf den berühmten heissen Stein. Wir möchten wieder helfen. "Was braucht ihr am dringendsten?" fragen wir. Höfliches Kopfschütteln, ach, bringt einfach, was ihr wollt. Die Balinesen bitten nicht gerne um Hilfe. Wir sehen einige Lebensmittel herumliegen, achtlos hingeworfene Reissäcke, Kartons mit Wasser in Plastikflaschen, Berge von Auberginen, die ihre beste Zeit schon gesehen haben ... "Vielleicht könnten sie einen Kühlschrank gebrauchen", überlegt mein Mann auf Deutsch. Sofort hebt ein Gemurmel an, "Kulkas ..." - "... Kulkas" - "Kulkas bagus!" Dank des hier gebräuchlichen holländischen Wortes Kulkas für Kühlschrank wurde die Sprachbarriere leicht überwunden. Bagus - das verstehen auch wir: Bagus, das heisst "richtig gut". Wir haben einen zweiten Kühlschrank unten im Pförtnerhäuschen. Den könnten sie haben, solange die Menschen hier ausharren müssen. Jemand ist bereits am Telefon, organisiert den Transport.


Auf dem Rückweg kommen wir an einem improvisierten Stall, oder eher einem Gehege vorbei. Etwa 40 angebundene Kühe stehen kauend im Schatten grosser Mangobäume. Die Kühe gehörten den Flüchtlingen, erklärt uns ein Dorfbewohner. Wenn sie versucht hätten, sie vor ihrer Flucht noch zu verkaufen, hätten sie höchstens 30% des eigentlichen Wertes bekommen. Also nahmen sie die Tiere mit. Sie hätten Glück, hier bei uns untergebracht zu sein. In den grösseren Lagern im Süden habe es keinen Platz für Tiere.



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