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Fake News zum Dritten

Seit des Miniausbruchs unseres Hausvulkans Agung am 21. November übertreffen sich sogenannte "Berichterstatter" aus aller Welt erneut gegenseitig mit reisserischen Schlagzeilen und Artikeln zweifelhaften Inhalts. Ganz entgegen meinen sonstigen Gepflogenheiten seien hier zwei besonders haarsträubende Beispiele namentlich erwähnt.

Bei www.reisereporter.de findet man am 22. November folgenden Artikel:

http://www.reisereporter.de/artikel/2703-bali-vulkan-gunung-agung-spuckt-asche-steht-kurz-vor-dem-ausbruch

Steht kurz vor dem Ausbruch??? Da wissen Sie aber sehr viel mehr als alle Vulkanologen vor Ort. Jeder Experte, der diese Bezeichnung auch verdient, würde sich lieber die Zunge abschneiden als so eine Aussage machen. Er könnte kurz vor einem Ausbruch stehen, liebe Reisereporter. Er könnte aber auch erst nächstes Jahr, in 10 Jahren oder in 100 Jahren ausbrechen.

Dann schreibt Frau Cecelia Spohn:

"Balis Vulkan spukt Asche - Tausende auf der Flucht"

Balis Vulkan? Es gibt 2 aktive und zahllose inaktive aber nicht unbedingt erloschene Vulkane auf Bali. Und was tut er, er spukt...? Tausende auf der Flucht? Diese Tausende befanden sich entgegen den Anweisungen der Regierung wieder zu Hause in der 6-km-Sperrzone und haben diese unter diesen Umständen natürlich erneut verlassen müssen. Es gibt aber einen Unterschied zwischen einer Flucht, die man mit Panik und Chaos assoziiert, und einer mehr oder weniger zivilisiert ablaufenden Evakuierung. Die Menschen hier sind keine Wilden, Frau Spohn!

"Auf der Urlaubsinsel Bali brodelt es: Aus dem Vulkan Gunung Agung ist am Dienstag eine Aschewolke ausgetreten - es droht der Ausbruch."

Der Agung brodelt nicht. Er ist ein explosiver Vulkan. Die kleine Aschewolke "trat aus", weil es zu einem phreatischen Ausbruch kam, hervorgerufen durch Wasser und Hitze. Und der Ausbruch droht übrigens bereits seit September und nicht erst seit Dienstag.

"Der Vulkan Gunung Agung lässt Asche auf die beliebte Ferieninsel Bali regnen, so wie bei diesem Bild aus September 2017."

Dieser Satz ist nicht nur eine sprachliche Schande sondern auch eine inhaltliche: Denn im September trat gar keine Asche aus. Die weisse Wolke, die auf dem Bild zu sehen ist, besteht aus Wasserdampf. Diese Information ist sehr leicht erhältlich, was die Peinlichkeit zusätzlich erhöht.

Eine Entgleisung anderer Art war auf der Website www.vulkane.net zu lesen. Dort analysiert und kommentiert der Vulkanologe Marc Szeglat aktuelle Vulkanausbrüche aus der Ferne. Am 22. November ist dort zu lesen:

"Am Gunung Agung verschärft sich die Situation zusehends: heute waren und sind mehrere Tremor-Episoden auf dem Seismogramm zu sehen. Seltsamer Weise bleibt der Alarmstatus auf "orange", obwohl jetzt alles sehr schnell gehen kann, aber nicht muss. Magma steigt aus dem Magma-Reservoir in 4-5 km Tiefe unter dem Vulkan weiter auf und sucht sich seinen Weg zur Oberfläche. Natürlich kann es immer noch stecken bleiben, ohne dass es zu einer Eruption kommt, doch je intensiver der Tremor wird und je länger er andauert, desto grösser die Wahrscheinlichkeit für eine Eruption. Sehr wahrscheinlich zögert man nun die Alarmstufe "rot" auszurufen, weil die Vulkanologen von Seiten der Regierung unter Druck gesetzt werden. Man fürchtet kurz vor den Weihnachtsferien einen weiteren Einbruch des Tourismus."

Einmal tief Luft holen, dann kommt es zur Eruption: Wie können Sie sich erlauben, die hiesigen, hochprofessionellen Wissenschafter so zu diffamieren, Herr Szeglat? Sie bezeichnen hier die indonesischen Vulkanologen als korrupte und beeinflussbare Schachfiguren und die Behörden als gewissenlose Geier, die Gewinnmaximierung über Menschenleben stellen. Der Einbruch des Tourismus wird von Leuten wie Ihnen verursacht, die potenzielle Besucher durch haltlose Gerüchte verunsichern. Wissen Sie, wie man diese Art von Information nennt? Fake News. Und das von einem angeblichen Wissenschafter. Pfui!