• IA

Bali bangkrut

Man munkelt es hinter vorgehaltener Hand, tritt es in den Social Media breit, diskutiert es öffentlich, und nun wird es zum geflügelten Wort: Bali bangkrut, Bali ist bankrott. Ganz so weit ist es wohl noch nicht gekommen, aber viele Leute in unserem Dorf, die in Restaurants, Hotels, Resorts, Tauchshops, Tante-Emma-Läden und sonstigen Institutionen arbeiten und bisher ganz gut über die Runden kamen, sind in ernsten Schwierigkeiten. Bangkrut, das heisst nicht nur, dass die Menschen kein Geld sondern auch dass sie keine Beschäftigung mehr haben. Und es ist nicht eindeutig, welcher Zustand für sie der schlimmere ist. Denn eigentlich arbeiten die Balinesen sehr gern. Es sind fleissige Menschen, die das untätige Herumsitzen gar nicht schätzen.

Frankie, der in besseren Zeiten im nun geschlossenen 'Café Indah' servierte und für musikalische Unterhaltung sorgte und dessen Frau in der Küche kochte, sitzt trübselig vor mir. "Ich weiss gar nicht, was ich den ganzen Tag machen soll," sagt er, sonst die Frohnatur der weitverzweigten Familie, niedergeschlagen. "Manchmal fahre ich aus lauter Langeweile raus zum Speerfischen, aber wenn ich einen schönen Fisch erwische, kann ihn mir niemand abkaufen." Wenigsten da kann ich ihm helfen und biete ihm an, seinen nächsten Fisch gerne zu kaufen. Schliesslich haben wir einen grossen Tiefkühler und lieben Fisch in allen Variationen. Es sei aber gar nicht so einfach einen zu erwischen, sagt Frankie. Gerade jetzt machten sich die Fische in dieser Region wieder einmal rar. Beim Speerfischen sei die Chance, einen Fang zu machen, etwas grösser, erzählt Frankie weiter. Die meisten Berufsfischer seien jedoch mit Angelhaken unterwegs. "In den letzten Tagen sind sie mit leeren Händen zurückgekommen. Jetzt fahren sie schon gar nicht mehr raus, weil sie das Benzin ohne Fang nicht bezahlen können."

Traditionellerweise essen die Menschen in unserem Dorf Makrelen, eine sehr gesunde aber trotzdem günstige Fischart, die in guten Zeiten im Überfluss in unserer Bucht zu finden ist. Die grösseren Fische, wie Thunfische, Rifffische, Wahoos, Barrakudas oder blaue Marlins werden fast immer an Restaurants, Warungs und Hotels verkauft, da die Fischer normalerweise gute Preise dafür verlangen können. Doch seit Wochen sind die Tourismuseinrichtungen entweder geschlossen oder leer. Niemand will ihre Fische. Und ausgerechnet jetzt wandern die Kaltblüter auch noch aus, so dass die Fischer nicht einmal mehr etwas für die eigene Familie fangen. Schleimige Verräter!

Um Frankie etwas aufzuheitern, erzähle ich ihm von unseren Plänen für eine Sylvesterparty unten am Strand. Unter normalen Umständen wären ja viele Touristen über Weihnachten und Neujahr zu erwarten gewesen, und in den vergangenen Jahren buchten immer einige von ihnen bei Frankie oder andern Anbietern eine Sylvesterparty am Strand. Doch dieses Jahr haben die Hotels noch fast keine Reservierungen. Dem schönen Strand droht ein trauriger Jahreswechsel. Deshalb haben wir beschlossen, Sylvester mit unseren balinesischen Freunden dort zu feiern. Er und seine ganze Familie sind auch eingeladen, insgesamt werden etwa 70 Menschen kommen. Wahrscheinlich eher mehr, wenn es sich rumspricht. Es gibt 'Babi Guling', das berühmte, balinesische Spanferkel, mit Reis und Gemüsebeilagen, dazu balinesisches Sambal, Sambel tomat, Popcorn, kerupuk und selbstgemachte Erdnüsse. Obwohl uns nicht wirklich zum Feiern zumute ist, können wir mit unserer Party nicht nur den eingeladenen Gästen ein gutes Essen offerieren und sie etwas aufmuntern, sondern auch den Zulieferern einen kleinen Verdienst zukommen lassen. Aber wir wissen ganz genau, dass das nur einer dieser berühmten Tropfen ist. Immerhin entlockt es Frankie ein Lächeln.