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Heute Regen, morgen Regen

Ja, es ist Regenzeit in Bali. Da regnet es bekanntlich viel. Doch als ob der Peinigungen nicht schon genug wären mit der Vulkandiva, beschert uns der Himmel auch noch eine Sintflut. Denn es regnet in diesem Januar nicht nur viel, nein, es hört gar nicht mehr auf zu regnen. Bei uns im Nordosten der Insel, einer der trockensten Regionen, die Bali zu bieten hat, regnet es seit Wochen jeden Tag und jede Nacht für mehrere Stunden. Unsere Katze verlässt das Haus nur noch unter Absingen wüstester Lieder und kommt meistens nach wenigen Minuten, wenn der nächste Regen beginnt, angeekelt zurück. Dagegen nehmen unsere 2 klinci, 2 weisse Kaninchen, die unverdrossen durch unseren triefenden Garten hoppeln, die Sache erstaunlich gelassen. Wir haben den Verdacht, dass es sich um genmanipulierte, wasserfeste Exemplare handelt, da sie sich nicht einmal von diesen Bedingungen davon abhalten lassen, unseren Küchengarten zu plündern.

Es ist so nass, dass die Feuchtigkeit regelrecht durch die Wände kriecht. Jeden Tag finden wir neue überdachte Bereiche, in denen es regnet. So im Freiluft-Badezimmer unseres Fitnessraums, wo man den Wasserhahn der Dusche nicht aufdrehen muss, um nass zu werden, und die Decke kunstvolle Schimmelverzierungen aufweist. Oder im Motorrad-Unterstand, dessen Betondecke so aufgeweicht ist, dass es hindurchregnet. Oder auf unserer Terrasse. Wasser so weit das Auge reicht. Es macht schon keinen Spass mehr, unter die Dusche zu stehen, denn das bedeutet noch mehr Wasser.

Unser Dorf wirkt in diesen Tagen wie ausgestorben. Nicht einmal Balinesen sind unterwegs. Auf unsere Frage, was denn die Menschen hier den ganzen Tag tun, wenn es immer regnet, sagt Wayan, unsere Köchin, die hier in Lipah geboren und aufgewachsen ist: "Wenn möglich, arbeiten sie ganz normal. Aber zum Beispiel die Fischer können nicht aufs Meer fahren, wenn es regnet. Das wäre zu gefährlich. Und am Abend gehen dann alle früh schlafen. Freiwillig geht bei Regen niemand auf die Strasse." Für mich klingt das ein bisschen, als ob Bali den Zenit der Regensaison nur durch eine Art Winterschlaf übersteht.

Unten im Süden, dort, wo sich sonst die Touristenmassen am Strand tummeln, ist das bevorzugte Fortbewegungsmittel aktuell das Surfbrett. Das mag seltsam anmuten und klingt potenziell gefährlich. Doch obwohl das Risiko, momentan in den Strassen von Kuta zu ertrinken eindeutig höher ist, als dort von einem ausbrechenden Vulkan Agung ausgelöscht zu werden, ist es sehr überschaubar. Die einzigen Gefahrenquellen bei diesen Ausflügen sind vorbei schwimmende Autos. Balis touristischer Süden hat sich in ein tropisches Venedig verwandelt. Ohne Gondeln und O sole mio, denn die Sonne wurde dieses Jahr dort unten wohl noch nicht gesichtet. Da haben wir es besser. Immerhin dürfen wir ab und zu einen kurzen (ich gebe zu: einen sehr kurzen) Blick durch die Wolkendecke auf den blauen Himmel werfen.

Noch bevor ich den letzten Satz zu Ende schreiben kann, fängt es wieder an zu regnen.