Ein Blick zurück

22.9.2018

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In der Hochsaison zwischen Juni und Oktober wirkt unser sonst so beschauliches, kleines Dorf wie ein Bienenstock: Es strotzt nur so vor Aktivität und Tatendrang. Schliesslich muss ein Grossteil des jährlichen Einkommens, das die Familien ernährt, in diesen wenigen Monaten erzielt werden. In anderen Jahren spürte man jeweils den Enthusiasmus und die Lebensfreude der Balinesen in dem geschäftigen Treiben, das sich in den Strassen, Stränden und Restaurants beobachten liess. Doch dieses Jahr war alles anders.

 

Bereits der Start in die Hochsaison war holprig, da der Vulkan Agung, nach einer kurzen Ruhephase von Februar bis März, im April wieder anfing auszubrechen. Es waren kleine, phreatische Ausbrüche, aber sie reichten, um wieder in die internationalen Schlagzeilen zu geraten. Von April bis Ende Juni brach der Vulkan mit fast schon strombolianischer Regelmässigkeit aus, bis er dann am 28. Juni wieder eine riesige Aschewolke produzierte, die den Flughafen stundenlang lähmte. Der vorläufige Gipfel der Aktivität war am 2. Juli, als er zum ersten Mal grössere Mengen Schlacke auswarf und die Bergflanken in Brand steckte. Seither ging die Aktivität zurück.

 

Die Hochsaison konnte doch noch stattfinden und die Touristen kamen. Vielleicht etwas weniger als im letzten Jahr, aber sie kamen. Bis am 29. Juli. Da bebte die Erde zum ersten Mal in Lombok. Es war das schwerste Beben, an das sich die Menschen bis anhin erinnern konnten, eine 6,4, gefolgt von einigen Nachbeben, die stärksten davon 5,3 und 5,4. Es gab ein paar oberflächliche Schäden, ein paar Schrecksekunden. Ein paar Urlauber brachen ihren Aufenthalt vorzeitig ab. Dann beruhigte sich die Lage. Was zu diesem Zeitpunkt niemand wusste: Dies sollte nur ein Vorbote des nächsten, noch viel stärkeren Erdbebens sein. Es kam am 5. August, das schreckliche 6,9-Beben, bei dem so viele Menschen auf Lombok ihr Leben verloren. Nur Minuten später erreichte die Tsunamiwarnung unser Dorf. Diese Nacht werden wohl wenige hier je vergessen. Und es wollte gar nicht mehr aufhören zu schütteln: In den nächsten Tagen gab es nicht weniger als 7 Beben mit Stärken zwischen 5,0 und 5,9.

 

Jetzt verliessen noch mehr Feriengäste unsere Region, die durch die Nähe zu Lombok stärker betroffen war als der Rest der Insel Bali. Sogar unseren balinesischen Freunden ging der sprichwörtliche Optimismus aus. Dabei sollte das Schlimmste noch kommen. Unzählige kleinere Nachbeben später schrieb man den 19. August. An diesem Tag gab es nicht weniger als 7 Beben zwischen 5,0 und 5,8, mittags eine 6,3 und abends dann ein weiteres Hauptbeben der Stärke 6,9. Jetzt war auch das stärkste Nervenkostüm erschüttert. Etliche Buchungen wurden storniert, verängstigte Urlauber machten sich auf, ruhigere Gefilde zu suchen. Nicht wenige Touristen mussten zudem umquartiert werden, weil ihre Hotelzimmer durch Schäden unbewohnbar geworden waren.

 

Seitdem gab es unzählige Beben zwischen 3 und 5, Tendenz abnehmend. Das Schlimmste ist nun hoffentlich vorbei. Die Nerven gaukeln einem immer noch kleine Erdbeben vor, das geht den Einheimischen nicht anders als uns. Einige schlafen immer noch im Freien, weil sie ihre Häuser noch nicht reparieren konnten. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis alles wieder instand gestellt ist, aber die Lebensgeister kehren langsam zurück. Der wirtschaftliche Schaden jedoch ist einmal mehr angerichtet: Die Hochsaison wurde schon zum zweiten Mal in Folge vorzeitig beendet.

 

PS: Unser Hausvulkan verhielt sich in dieser unruhigen Zeit sehr unauffällig, als wüsste er, dass ihm jemand die Show stiehlt. Jetzt, wo sich die Lage an der Erdbebenfront beruhigt und er sein Pubilkum zurück hat, nimmt er einen neuen Anlauf: Seit dem 13. September registrieren die Experten eine stark erhöhte seismische Aktivität, die, kombiniert mit der erneuten Ausdehnung der Bergflanken, darauf hindeutet, dass sich wieder frisches Magma den Weg hinauf zum Krater bahnt. Warten wir also gespannt auf den nächsten spektakulären Auftritt unserer Vulkandiva....

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