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Melaspas im RUMAH SEHAT

Endlich ist der Tag, auf den wir so lange gewartet haben, da: Der Tag der melaspas Zeremonie für die neue Krankenstation in den Hügeln von Lipah. Melaspas ist eine religiöse Zeremonie, die für jedes neue Gebäude abgehalten werden muss. Durch Bauarbeiten wird die Harmonie des betreffenden Ortes gestört: Pflanzen werden ausgegraben, der Boden wird aufgerissen und ein fremdes Element wird dorthin gepflanzt. Um alles wieder ins Gleichgewicht zu bringen, dafür braucht es eben diese Zeremonie. Sie muss an einem geeigneten Tag stattfinden, der in unserem Fall vom Dorfpriester Made Sudarma bestimmt wurde. Wichtig ist auch, dass diejenigen, die die Bauarbeiten ausgeführt oder angeordnet haben, an der Zeremonie teilnehmen. Alle anderen Teilnehmer abgesehen vom Priester und seinen Helfern sind optional.

Optional sind jedoch nicht die Opfergaben. Es ist genau vorgeschrieben, was und wie viel wovon benötigt wird, je nach Grösse des Gebäudes. In unserem Fall brauchte es 1 babi guling, 2 Hühner, mehrere Eier und etliche Körbchen mit Blumen sowie kompliziert zugeschnittenen Dekorationen und Bambushalmen. Weitere unverzichtbare Utensilien sind ein Gefäss mit heiligem Wasser, viele Räucherstäbchen, ein schmuckes, gelb-weisses Röckchen für den neuen Tempel, der ausserdem noch mit einem weissen Sonnenschirmchen geschmückt wurde, und das obligate Glöckchen des Priesters, das während der Zeremonie ausgiebig benutzt wird. Ja, Sie haben richtig gelesen: Der neue Tempel. In Bali gibt es kein Gebäude ohne Tempel. Ohne diesen wäre der Krankenstation ein kurzes Leben beschieden, da niemand sie betreten würde.

Um diesen neuen, hübsch dekorierten Tempel sind also am morgen des 27. Oktober die erwähnten Opfergaben verteilt, als wir zur vereinbarten Zeit leicht keuchend vom steilen Anstieg am Ort des Geschehens ankommen. Unser Freund Made Sudarma, der Dorfpriester, sitzt im Schneidersitz vor dem Tempel. Die Zeremonie hat bereits begonnen, typisch für den balinesischen Hang zu temporaler Relativität. Da wir als Bauherrenvertretung aber wichtige Akteure bei der Zeremonie sind, wurde am entscheidenden Punkt der Ablauf unterbrochen, um auf uns zu warten. Als wir ankommen, geht es dann gleich weiter. Während Made betet, verteilen seine Helfer jedem Teilnehmer ein Canang Sari, ein geflochtenes Bambuskörbchen mit verschiedenfarbigen Blütenblättern, und ein Räucherstäbchen. Ständig kommen neue Dorfbewohner an und setzten sich dazu. Der kepala des Dorfes und das Team des Pflegeperonals von der Stiftung Kita Peduli gesellen sich zu uns. Aus anfänglich 5 Teilnehmern werden so schnell über 30. Nun wird gemeinsam gebetet. Dabei hält man jeweils ein paar farbige Blütenblätter zwischen den Fingerspitzen der zusammengelegten Handflächen. Die Hände werden dann in der typisch Balinesischen Geste an die Stirn gehoben. Die Höhe ist dabei sehr wichtig: Als Begrüssungsgeste hebt man die Hände normalerweise vor das Kinn, doch wenn man die Götter begrüsst, hebt man sie bis zur Stirn. Dann wird jeder Teilnehmer dreimal mit dem heiligen Wasser bespritzt, muss drei Tropfen vom heiligen Wasser trinken und es sich schliesslich über den Kopf streichen.

Kurze Zeit später ist die Zeremonie zu Ende. Wir laden alle Teilnehmer zu uns nach Hause ein, wo das babi guling, das knusprige Spanferkel, das schon bei der Zeremonie dabei war, genüsslich verspeist werden soll. In Windeseile werden das Ferkel und alle übrigen Zutaten auf Motorrädern in unser Haus gebracht. Wir kommen zu Fuss als letzte an. Das babi wird bereits fachmännisch zerlegt, jemand hat leckeres Balinesisches Sambel mitgebracht, Ibu Jero Wimega zaubert eine ganze Platte mit Urab auf den Tisch, dem beliebten Gemüsegericht aus Bohnen, geriebener Kokosnuss und vielen Gewürzen, und zwei grosse Eimer mit Reis stehen auch bereit. Jeder packt mit an. Auch beim Essen. Und was übrigbleibt wird in Doggybags mit nach Hause genommen, damit auch die Familien noch etwas von dem Festessen haben.

Wir sehen zufriedene Gesichter rundherum, nicht nur wegen des Essens sondern auch wegen der Segnung des rumah sehat, denn einige der heute Anwesenden werden es wohl das eine oder andere Mal aufsuchen.