Nebel des Grauens

18.1.2019

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Es ist Januar und recht ruhig an der Besucherfront, so wie eigentlich immer in diesem Monat. Die Regenzeit hat vor etwa 5 Wochen begonnen und beschert uns die üblichen, manchmal sintflutartigen Regenfälle. Heute ist der erste Tag in diesem Jahr, an dem wir von einem strahlend blauen Himmel begrüsst werden, als wir aus der Tür treten, genauer gesagt einem lachenden Himmel und einem ganzen Schwarm von Moskitos, denn die sind allgegenwärtig zu dieser Jahreszeit. Die ungeliebten Plagegeister sind überall zu finden und gerade in diesem Jahr besonders zahlreich.

 

Nun könnte man sich damit zur Not abfinden. Ein paar Mückenstiche mehr oder weniger machen keinen grossen Unterschied. Aber mit den Mücken kam etwas anderes hier zu uns nach Bunutan: Dengue. Im Gegensatz zur Malaria, die es auf Bali nicht gibt (wohl aber auf der Nachbarinsel Lombok), bricht das Denguefieber in jeder Regenzeit an einem anderen Ort der Insel aus. In unserer Bucht, Lipah, gibt es in dieser Saison bereits zwei offizielle Fälle: ein Kind und eine alte Frau. Und für einmal handelt die indonesische Regierung schnell und unbürokratisch: Heute morgen sind bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr die Moskitojäger mit ihren Handnebelmaschinen unterwegs. Sie klopfen an jede Tür und sprühen ihr Gift in jeden Garten. Wir haben gerade noch Zeit, unsere Vierbeiner einzusammeln und uns alle drinnen in Sicherheit zu bringen, da geht es auch schon los: Mit infernalischen Geheule ziehen sie durch unseren Garten und verbreiten mehr Nebel als eine Hochleistungsnebelmaschine an einem Hardrockkonzert zu Halloween. Minutenlang sieht man nicht die Hand vor Augen. Dann verschwinden die Ghostbusters, um im nächsten Garten weiterzumachen.

 

Wir, das heisst mein Mann und ich, unsere Mitarbeiter, unsere 3 Katzen und 2 Hasen, sehen uns die apokalyptische Show aus der sicheren Position unsere Joglos an. Noch während sich der Nebel des Grauens langsam lichtet, beginnen Zweifel an mir zu nagen, ob diese Aktion wirklich den gewünschten Erfolg bringen wird. Schliesslich versucht man schon seit Jahrzehnten mit dieser Methode den kleinen Biestern beizukommen. Wenn man die zunehmende weltweite Ausbreitung von Malaria, Dengue, Zika und anderen von Moskitos übertragenen Krankheiten betrachtet, ist der Erfolg höchst fraglich. Aber welche Alternative gibt es? Eine Impfung gegen Dengue Fieber  gibt es bereits, ist aber nicht unumstritten und wird noch nicht flächendeckend durchgeführt. Ein anderer Ansatz, die Übeltäter mit dem viel zu schön klingenden Namen Aedes Aegypti mit dem Bakterium Wolbachia zu infizieren, was dazu führt, dass der Moskito das krankmachende Flavivirus nicht mehr überträgt, steckt noch in den Kinderschuhen. Was also tun?

 

In solchen Fällen befragt man am besten das Orakel des 21. Jahrhunderts: das Internet. Und es lässt mich nicht im Stich. Es gibt die Existenz einer Moskito-Lady von Bali preis. Diese engagierte Dame aus Amerika hat ihr Leben den Moskitos verschrieben, oder besser deren Ausrottung. Doch obwohl sie den stechenden Plagegeistern ebenfalls ans Leder will, würden diese ihre Methode bestimmt bevorzugen: Sie und ihr Team legen nämlich nur die Brutstätten der Blutsauger trocken, damit sie sich nicht vermehren können. Eine clevere Idee! Und trotzdem mich die angeblich gerade vernichteten Moskitos zu Dutzenden stechen, keimt in mir neue Hoffnung, während ich der Moskito-Lady eine Email schreibe.

Fortsetzung folgt.

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