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Die Natur kennt keine Gnade

Experten des Vulkanologischen Instituts Bali hatten bereits kurz nach den starken Erdbeben in Balis Nachbarinsel Lombok vorhergesagt, dass der Vulkan nun wahrscheinlich eine kleine Ruhephase durchmachen würde, weil die Gase im Inneren ruckartig und in grossen Mengen abgelassen wurden und womöglich sogar Risse im Magmapfropfen des Kraters verursacht wurden, wodurch der Druck im Inneren nachlassen werde. Nach einer gewissen Zeit würde er jedoch wieder aktiver werden. So kam es dann auch: Von August bis Ende Dezember liess der Agung regelmässig Gaswolken entweichen, ein Zeichen, dass der Pfropfen durchlässig geworden war. Die seismische Aktivität war gering aber vorhanden, ein sicheres Zeichen dafür, dass der Vulkan immer noch in seiner aktiven Phase war. Aber es gab keine Ausbrüche, weil sich der dafür notwendige Druck gar nicht erst aufbauen konnte. Jetzt scheint diese Phase jedoch vorüber zu sein.

Seit dem 30. Dezember wurden sieben Ausbrüche registriert. Es waren sämtlich kleinere Eruptionen mit maximal 2000 Meter hohen Aschewolken. Tephra wurde etwa einen Kilometer weit in östliche Richtung geschleudert, soweit man beobachten konnte (Visuelle Beobachtungen sind jetzt in der Regenzeit schwierig, weil der Berg fast immer in dichte Wolken gehüllt ist). Trotzdem ist es laut Experten unwahrscheinlich, dass in nächster Zukunft ein grösserer Ausbruch bevorsteht.

Doch auch ohne grösseren Ausbruch ist die Situation der Dörfer, die an den Flanken und zu Füssen des Vulkans liegen, alles andere als sicher. Wegen der starken Regenfälle wälzen sich Schlammlawinen die Hänge hinab. Sie reissen alles weg, was sich ihnen in den Weg stellt: Brücken, Strassen, Strommasten, Häuser … In den letzten Tagen wurden zwei junge Frauen von einem Lahar getötet, zwölf weitere Opfer, darunter fünf Kinder und ein Baby, wurden mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Die Natur kennt keine Gnade.

Bild: Rio Helmi