Herzliche Gratulation, Putu!

15.9.2019

von

Ni Putu Susilayani ist die Tochter unserer Nachbarn Made und Jonny. Er ist Fischer, und zwischen seinen frühmorgendlichen und spätnachmittäglichen Ausfahrten mit seiner ‘Jukung’, so heissen diese schmächtigen Fischerboote mit Doppelausleger, vermietet er am Strand von Lipah Beach Sonnenliegen an Touristen. Made ist Hausfrau, Mutter, Besitzerin eines kleinen Dorfladens und kocht im Warung Jonny. Und wie sie das tut! Ihre traditionell balinesischen Gerichte gehören zum Besten, was die Region zu bieten hat. Davon konnten wir uns schon oft überzeugen. Um ihre langen Tage, die wegen der fehlenden Touristen in den letzten Jahren noch länger geworden sind, etwas auszufüllen, sitzt sie oft stundenlang vor ihrem kleinen Laden und fertigt ‘canangs’ an, kleine Körbchen aus kunstvoll geflochtenen Bambusstreifen und gefalteten Bananenblättern, die von den Balinesen bei ihren täglichen Gebeten als Opfergaben dargereicht werden. Und weil sie schon seit Jahrzehnten diese ‘canangs’ macht, hat sie sich darin eine derartige Fertigkeit angeeignet, dass der Beobachter aus dem Staunen nicht herauskommt. Mitunter schleift sie mit feinem Schmirgelpapier geduldig kleine Bambusröhrchen zurecht, die sie als Ersatz für die mittlerweile von der Regierung verbotenen Trinkhalme aus Plastik zum Verkauf anbietet und sich damit ein kleines Zubrot verdient.

 

Als wir Putu Susilayanti vor gut zwei Jahren kennen lernten, hatte sie ihr Studium an der Universität in Denpasar bereits begonnen. Ihr Ziel war es Hebamme zu werden. Kurze Zeit später brach der Vulkan Gunung Agung nach über 50-jährigem Schlaf aus, und stürzte den Osten Balis in eine veritable Krise. Weil der Tourismus eingebrochen war, verloren vielerorts die Menschen ihre Jobs oder wurden auf Teilzeit gesetzt. In den schlimmeren Fällen mussten die Bewohner sogar aus ihren Dörfern am Fusse des Vulkans evakuiert werden und lebten während Monaten mehr schlecht als recht in von der Regierung betriebenen Auffanglagern.

 

Damals kamen wir mit Putu ins Gespräch. Sie ist eine quirlige, herzliche junge Frau, spricht ausgezeichnet Englisch, und was sie sagt, nehmen wir als durchdacht und authentisch wahr. Ihrem Ziel, eines Tages Hebamme zu sein, und vielleicht in den Hügeln ihres Heimatdorfes die Menschen zu pflegen, ordnet sie alles unter. Dazu gehört auch, dass sie um drei Uhr morgens aufsteht, damit sie ihren Tag an der Universität genügend gut vorbereiten kann. Um ein anständiges Essen zuzubereiten fehlt ihr dann meist die Zeit. Trotz der ermüdend langen Arbeitstage besucht sie hin und wieder ihre Eltern und fährt dafür auf ihrem klapprigen Motorrad rund drei Stunden hin und drei Stunden wieder zurück. Als ob sie uns ihre Entschlossenheit nochmals bestätigen wollte, sagt sie beiläufig: «Ich will ein besseres Leben haben als meine Mutter.» Wir sind beeindruckt. Und wollen helfen, dass Putu ihr Studium weiterführen kann. Deshalb beschliessen wir, sie mit einem kleinen monatlichen Beitrag zu unterstützen. Von anderen Familien haben wir gehört, dass sie wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage ihre Kinder nicht mehr in die weiterführenden Schulen schicken können. Das schmerzt uns, und es soll Putu nicht widerfahren. Wir sind felsenfest überzeugt, dass sie nicht nur das Zeug dazu hat, sondern auch wild entschlossen ist, ihr Ziel zu erreichen.    

 

Nun sind gut zwei Jahre vergangen und Putu hat ihr Studium abgeschlossen. Sie erzählt es uns mit leuchtenden Augen, ihre Mutter strahlt still vor sich hin, wir freuen uns auch. Der Papa ist etwas aufgeregt, denn er müsse für den Abend der feierlichen Diplomübergabe seinen Pferdeschwanz abschneiden. Das gehöre sich so.

Putu im Kreise ihrer stolzen Familie: Grossvater, Mutter Made, Bruder Resa und Vater Jonny

 

Was sie denn im Anschluss beruflich tun wolle, frage ich sie. «Ich muss jetzt 2 Jahre lang in einer Klinik arbeiten und Erfahrungen sammeln. Danach werde ich eine zweijährige Zusatzausbildung machen, die es mir erlaubt, selbständig zu arbeiten.» Wieder diese Klarheit und absolute Entschlossenheit. Beim nächsten Besuch erzähle ich Dr. Patrick, meinem Chiropraktor, der gerade eine kleine Klinik in Sanur eröffnet hat, von Putu, ihrem Studienabschluss als Hebamme und ihrem Ziel, nun eine Arbeitsstelle zu finden, wo sie sich Praxis aneignen und dazulernen kann. Offensichtlich überträgt sich meine Begeisterung für Putu auf Dr. Patrick, und er sagt sofort zu, sie zu einem Gespräch einzuladen. Wenige Tage danach treffen wir uns zu Dritt und eine halbe Stunde später hat Putu eine Stelle im Global Health Center von Dr. Patrick. Und einen sehr fairen Arbeitslohn dazu. Sie kann ihr Glück kaum fassen, ich freue mich mit ihr.

 

Seit zwei Wochen arbeitet Putu nun bei Dr. Patrick. Ich statte ihr und ihm einen Überraschungsbesuch ab. Als sie mich in der Eingangshalle der Klinik sieht, rennt sie freudestrahlend auf mich zu und umarmt mich. Sie führt mich hoch zum Behandlungsbereich, wo Dr. Patrick und sie arbeiten. Neben einer kleinen Wand sehe ich einen Beistelltisch mit canangs, der mir bei meinen früheren Besuchen nicht aufgefallen war. Es duftet ein klein wenig nach Räucherstäbchen. Nach einer kurzen Weile begrüsst mich Dr. Patrick freudestrahlend. «Wie macht sich Putu?», frage ich ihn vorsichtig. «Sie ist einfach toll", schwärmt er. "Dank ihr ist unsere neue Klinik von balinesischem Geist erfüllt. Sie betet jeden Morgen, bringt canangs von zu Hause mit und verbreitet einen wunderbaren Duft mit ihren Räucherstäbchen. Ich habe sie bereits in einen Weiterbildungskurs für Erste Hilfe geschickt und sie hat ihn mit Bravur absolviert." Alle wirken glücklich und zufrieden, ich bin es definitiv.

 

Nachdem ich noch ein Foto mit ihr und Dr. Patrick gemacht habe, verabschiede ich mich. Putu begleitet mich zum Parkplatz hinter der Klinik. Es ist ein ziemlich modernes, elegantes und gepflegtes Gebäude, wie man sie sonst eher selten in Bali sieht. Sogar die Fenster sind blitzblank. Sie bemerkt meinen Blick auf das Haus und sagt in ihrer wunderbar natürlichen Art: «Gestern war Dr. Patrick abwesend und wir hatten keine Patienten. Da habe ich eben alle Fenster geputzt." Dazu strahlt sie mich an. Das ist typisch für Putu denke ich mir: Stets mehr leisten, als man von ihr erwartet. Und wie man sieht, hilft den Tüchtigen tatsächlich das Glück: Ein wohlverdient guter Start in eine bessere Zukunft. Mama und Papa können stolz sein!

Putu mit Dr. Patrick

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