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Die Regenzeit kann kommen


Die Temperaturen sinken nachts kaum mehr unter 30 Grad, ein Zeichen dafür, dass die Regenzeit nahe ist. Ein Grund, einen Blick auf das neue Dach des Hauses von Wayan Aryas Vater zu werfen, das vor zwei Monaten durch ein Räucherstäbchen in Flammen aufgegangen ist. Als Soforthilfe hatten wir der Familie zugesichert, zwei Drittel der Materialkosten für die Wiederherstellung beizusteuern (bitte lesen Sie hierzu unseren Blog vom 1.9.2019 «Feuer auf dem Hügel»).

In Begleitung von Pak Putu, unserem Mechanikermeister und Multitalent, fahre ich mit dem Motorrad den steilen Weg hoch. Der Berghang ist von der stechenden Sonne versengt und trocken wie Zunder. Kein Wunder, denn es hat seit Mitte April nur zwei Mal nachts kurz geregnet. Nur da und dort trägt ein Baum noch grünes Laub. Nicht auszudenken, wie ein Feuer den Hang hinauf wüten würde, sollte es ausser Kontrolle geraten. Die wenigen ebenen Flächen im Hang, einige davon weniger gross als ein Quadratmeter, sind gerodet und für die Aussaat von Mais, Bohnen und Kürbissen vorbereitet. Der Regen kann kommen.

Dasselbe gilt für das neue Dach. Es ist mit Ziegeln, die auf Bambusstämmen aufliegen, eingedeckt und macht einen stabilen und dichten Eindruck. Am Rande des Daches sichert Mörtel die Ziegel vor dem Absturz, falls wieder einmal ein Erdbeben den Hügel durchschütteln sollte. Sogar die typischen Balinesischen Verzierungen sind auf dem First befestigt. Pak Putu begutachtet die neu eingezogenen Fenster- und Türstürze und nickt vielsagend. Die Aussenwände sind im Unterschied zum Inneren der Räume noch unverputzt. Offenbar arbeiten die Balinesen von innen nach aussen. In den grob verputzten Innenwänden sind vertikale Schlitze zu sehen, in welche später Kabel eingezogen und Lichtschalter und Steckdosen eingebaut werden. Ich nehme an, dass neben einer Glühbirne vor allem die Handys der Jungen damit betrieben werden sollen. Der einzige Hinweis auf Luxus im 21. Jahrhundert.

Putu und ich gehen rund ums Haus, um nachzusehen, wie es um das Baumaterial bestellt ist. Die herumliegenden Säcke mit Zement und Sand signalisieren, dass das Haus auch aussen noch verputzt werden soll. Es ist aber niemand da, der uns Auskunft geben könnte. Nur ein kleiner Welpe bewacht sein Zuhause heiser bellend. Nach einigen Streicheleinheiten werden wir lautlos geduldet. Dass die Instandsetzung der drei Zimmerchen plus Veranda auf 26 Quadratmetern Grundfläche so lange dauert, hängt damit zusammen, dass Wayan Arya und seine Helfer aus der weitläufigen Familie nur in ihrer Freizeit daran arbeiten können. Immerhin haben sie das Wesentliche geschafft: Der Vater hat wieder ein wetterfestes Dach über dem Kopf und die Regenzeit kann kommen.