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Ein Tropfen kann helfen

Nun ist das Virus sogar im Paradies angekommen: Mit etwas Verspätung gehen auch in Bali die Zahlen der infizierten Personen langsam in die Höhe. Wenn man den Behörden glaubt, dann sind es zur Stunde 19 Erkrankte und 2 Todesfälle. Der Glaube an die Behörden ist jedoch bereits zu Beginn der Viruskrise in Indonesien arg erschüttert worden, da die Regierung sich für gezielte Falschinformationen entschuldigen musste. Man habe eine Panik verhindern wollen, hiess es damals. Und so, während sich in Europa bereits jedes Land abschottete, liefen die Massnahmen in Indonesien eher schleppend an.

Mittlerweile bietet sich hier auf Bali den wenigen ausländischen Beobachtern, die noch auf der Insel ausharren, das gleiche Bild wie fast überall auf der Welt: Die Schulen sind geschlossen, die Strassen sind leer, die Restaurants sind entweder zu oder auf Take Away/ Lieferservice umgestiegen, die Menschen sind verunsichert und schwanken in ihrer Besorgnis um ihre Gesundheit und ihre finanzielle Zukunft.

Doch es gibt deutliche Unterschiede zu Europa. Einer der grössten Unterschiede ist die Nichtexistenz von sozialen Netzwerken und Versicherungen. Wenn hier ein Betrieb die Türen wegen der Viruskrise schliessen muss, werden die Angestellten entlassen und keine Versicherung springt ein, um ihren Lohn wenigstens teilweise weiterzuzahlen. Sie erhalten auch keine Arbeitslosengelder oder Sozialleistungen. Sie haben ganz einfach gar nichts mehr.

Das kennt man in unserem Dorf ja schon zur Genüge: 2017 vertrieb der aschespuckende Vulkan Agung die Touristen, 2018 schlugen die Erdbeben im gegenüberliegenden Lombok die Besucher in die Flucht. Damals wie heute hagelte es Entlassungen. Doch damals konnte man im Gegensatz zu heute davon ausgehen, dass die Krise vorübergehender Natur ist. Heute ist das anders und obschon die Balinesen nicht zu Hysterie oder Panik neigen, spürt man jetzt ihre Angst vor der Zukunft.

Wir befragen unsere Freundin Ibu Jero, die für unser Hilfsprojekt Seniorenhilfe die Mahlzeiten für die ganz alten und gebrechlichen Mitbewohner unseres Dorfes zweimal wöchentlich in ihrem warung zubereitet und verteilt. Sie kennt fast alle Dorfbewohner, etwa 600 Menschen in 120 Familien, beim Namen. Sie zeichnet ein niederschmetterndes Bild. Wir kennen Ibu Jero gut. Sie dramatisiert nicht, erfasst die Realität nüchtern. Und diese ist katastrophal. Wir beschliessen zu helfen.

Unsere Wahl fällt auf Carepakete, die an die ärmsten Familien abgegeben werden: 5 Kilo Reis, je eine handvoll Schalotten, Knoblauch und die geliebten kleinen (und für uns mörderisch scharfen) Chillies, 350 ml Öl, 6 Eier, 2 Stück Seife und eine kleine Packung Waschmittel sind in jedem Paket. Ausserdem legen wir jedem Karton noch ein kleines auf balinesisch geschriebenes Informationsblatt über die Krankheit bei - wer am meisten gefährdet ist, wie man sich davor schützen kann, wie die Symptome aussehen und was man tun soll, wenn man sie bei sich oder einem Familienmitglied feststellt.

Ibu Jero, der gute balinesische Geist unserer Projekte, organisiert den Grosseinkauf und die Zusammenstellung der einzelnen Pakete für die erste Runde. Sie hat auch die über 80 Familien ausgewählt, die sie bekommen werden. Um einen Massenauflauf zu verhindern, hat sie sich ein ausgeklügeltes System mit Vouchern einfallen lassen, auf denen eine bestimmte Uhrzeit für die Abholung der Carepakete vermerkt ist. Ihr Engagement gleicht einer kleinen logistischen Meisterleistung. Und die ersten Empfänger der Pakete stehen schon hoffnungsvoll bereit.

An Orten wie Bali, die zu 90 Prozent vom Tourismus abhängig sind, könnte die Krise noch weit länger dauern als an industriellen und postindustriellen Wirtschaftsstandorten. Dieses Jahr wird die Reisesaison ohne Zweifel komplett ausfallen und sogar für nächstes Jahr werden laufend Buchungen storniert. Es trifft wieder einmal die Ärmsten dieser Welt am meisten, diejenigen, die noch nie so viel besessen haben, dass sie hätten Reserven zurücklegen können.

Ein Carepaket kostet umgerechnet etwa 6 Schweizerfranken. Es ernährt eine vierköpfige Familie für eine Woche. Wir werden Hilfe brauchen, Ihre Hilfe, um diese Aktion wiederholen zu können - je nach Grösse der Familie einmal wöchentlich bis einmal monatlich ... solange wie nötig. Denn, obschon es dem berühmten Tropfen auf den heissen Stein gleicht, gibt unser Beitrag, IHR Beitrag, den Menschen hier Hoffnung, diese Krise überstehen zu können.

Ihre Spende erreicht die Menschen in Bunutan über unsere Webseite unter "Helfen" oder über folgendes Bankkonto:

IBAN: CH56 0483 5043 1900 6101 9

Begünstigte: Roy Hitchman und Ines Abraham, 80852 Bali

Zweck: "Agung"