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Zwei Monate Nothilfe

Seit Ende März steht Bali still. Obwohl sich die Insel im Kampf gegen das Coronavirus mit bis heute nur 420 registrierten Infektionen und vier Todesfällen tapfer schlägt, wurde sie laut Angaben der indonesischen Regierung finanziell ganz besonders hart von der Krise getroffen. Auf der Nachbarinsel Java bietet sich genau das umgekehrte Bild: Hier wütet SARS-Cov-19 und die weitaus meisten der landesweit fast 25'000 Infizierten und 1'500 Toten (offizielle Zählung mit hoher Dunkelziffer laut Experten im In- und Ausland) sind den beiden Hotspots Jakarta und Ost-Java zuzuordnen. Dafür ist der finanzielle Schaden dort nicht ganz so hoch wie in Bali, das ja weitgehend vom Tourismus abhängig ist.

In den letzten Jahren kamen regelmässig um die 400'000 Touristen im Monat Mai nach Bali. Die Anzahl ankommender Touristen im Mai dieses Jahres betrug null. Es tummelt sich noch eine kleine Schar ausländischer Besucher auf der Insel, die hier gestrandet sind und nicht mehr in ihr Heimatland zurückreisen konnten oder wollten. Sie werden heiss umworben, vor allem von den Kleinstunternehmern, die verzweifelt versuchen, ihre Familien in dieser Krisenzeit zu ernähren. Doch egal, wo sich die wenigen Exemplare der Spezies Besucher aufhalten, der Umsatz, den sie generieren, gleicht dem berühmten Tropfen auf den heissen Stein.

Deshalb lief am 1. April unser Nothilfeprogramm mit Nahrungsmitteln für die Ärmsten in unserem Dorf Lipah an. Die Anzahl der bedürftigen Familien in unserem Programm ist mittlerweile von 77 auf 90 angewachsen. In diesen zwei Monaten haben wir 305 Pakete mit unter anderem 1'525 kg Reis, 107 Liter Öl, 52 kg Knoblauch und 1'220 Eiern ausgegeben. Insgesamt konnten wir dank vieler Spender aus der ganzen Welt damit 244 Erwachsene und 102 Kinder unterstützen, die ohne diese Hilfe in ernsten Nöten wären.

Die Regierung Indonesiens, deren Aufgabe es ja eigentlich wäre, der eigenen Bevölkerung zu helfen, spricht schon seit vielen Wochen davon, den von der Krise am stärksten betroffenen Familien im Land Nothilfe zu leisten. Vor ein paar Tagen hat nun endlich eine erste Verteilrunde in unserem Dorf stattgefunden. Das Fazit: Vor allem Familien mit grossem Lohnausfall (also diejenigen, die vor der Krise gut verdient haben) erhielten ein Paket mit Nahrungsmitteln, nicht unähnlich den unseren, und einige erhielten finanzielle Hilfe in Form von 600'000 Rupiah (40 Franken). Es gibt ein paar Überschneidungen mit unseren Empfängerfamilien, aber nicht so viele, wie wir ursprünglich angenommen hatten, weil viele unserer Empfänger aus verschiedenen Gründen gar nicht richtig von den Behörden erfasst wurden. Das zeigt uns, dass wir bzw. der kepala banjar, der Chef des Dorfteils, zu dem auch Lipah gehört, die Empfänger unserer Hilfspakete gut ausgewählt hat, denn die Ärmsten der Armen fallen regelmässig durch das Netz der Behörden. Und angesichts der Tatsache, dass die ersten staatlichen Hilfspakete mit einigen Wochen Verspätung in unserem Dorf ankamen, glaubt hier niemand so recht an die Zuverlässigkeit dieser staatlichen Hilfe.

Pläne zur Lockerung der Massnahmen sind schon lange im Gespräch und immer wieder aufgeschoben worden. Mal hiess es, im Juni solle der Tourismus in Bali wieder angekurbelt werden, dann Juli, dann Oktober. Internationale Flüge von und nach Bali gibt es keine. Lion Air hat jetzt sogar den nationalen Flugbetrieb bis Ende Mai eingestellt, weil angeblich die Reisewilligen nicht einmal die grundlegenden Sicherheitsmassnahmen vor Antritt des Fluges einhalten konnten oder wollten. In der nächsten und übernächsten Woche wird noch einmal ein rasanter Anstieg der Infektionszahlen in Java erwartet: In diesen Tagen, nach Ende des Idul Fitri, dem Ramadan, kehren diejenigen Muslime, die trotz des in letzter Minute von der Regierung ausgesprochenen Reiseverbots in ihre Heimatdörfer gereist sind, um die Feiertage mit ihrer Familie zu verbringen, zurück an ihre Arbeitsplätze in den Millionenmetropolen wie Jakarta. Viele von ihnen haben in den letzten Wochen dazu beigetragen, den neuen Covid-19 Hotspot in Ost-Java zu befeuern. Jetzt sind sie wieder auf dem Rückweg. Noch ist kein eindeutiges Abflachen der Neuansteckungen zu erkennen, geschweige denn ein Ende der Krise in Indonesien abzusehen.

Also werden wir weiterhin dank der grossherzigen Zuwendungen unserer Spender den 90 ärmsten Familien in unserem Dorf Nothilfe in Form von Lebensmitteln zukommen lassen. Da in Indonesien das Tragen von Gesichtsmasken für alle obligatorisch ist, bestücken wir unsere Pakete gelegentlich auch damit, zusammen mit einem Aufruf, sie in der Öffentlichkeit auch wirklich zu tragen . Und last but not least kommt in jedes Paket auch ein kleines Stück Seife, die noch immer eine der wirksamsten Waffen gegen jedes Virus ist.