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Bali im Wechselbad zwischen Hoffnung und Lockdown

Noch vor wenigen Tagen war die Hoffnung gross, dass im Laufe des Juli die Grenzen nach Bali für international Reisende wieder geöffnet werden könnten. Das gab den Menschen Zuversicht, in absehbarer Zeit wieder zu einer gewissen Normalität zurückkehren zu können. Hotels, Restaurants und andere tourismusnahe Betriebe intensivierten enthusiastisch ihre Vorbereitungen. Diese Hoffnung beruhte neben intensiven Impfkampagnen auf der ganzen Insel in erster Linie darauf, dass die Regierung die drei von Touristen am Meisten besuchten Gegenden Balis mit Priorität durchgeimpft, das Testing und Contact Tracing verstärkt und diese Gebiete Balis als ‘Grünen Korridor’ und Covid-freie Zone deklarieren wollte.


In der Zwischenzeit, bis zur Öffnung der Grenzen für internationale Besucher, sollten einheimische Gäste die Insel der Götter bereisen dürfen, um die Konjunktur wieder etwas zu beleben. Zudem wurde von der Regierung in Jakarta das Projekt «Work From Bali» ins Leben gerufen, das alle Verwaltungsbereiche der Zentralbehörden dazu animierte, einen Teil ihrer im Homeoffice tätigen Mitarbeitenden nach Bali zu entsenden, damit sich dort die Hotelauslastung verbessere. Beide Massnahmen waren gut gemeint und führten tatsächlich zu einer Verbesserung der Hotelbettenauslastung von tiefen einstelligen Prozentzahlen auf bis zu 17 Prozent. Mit dem Auftauchen der inszwischen gefürchteten Delta-Variante aus Indien erwiesen sich die Massnahmen jedoch als gravierender Fehler. Fatalerweise fiel die Einschleppung der Delta-Variante zeitlich mit Mudik zusammen, den islamischen Feiertagen, die trotz entsprechendem Verbot der Regierung regen Inlandreiseverkehr auslösten. In weniger als einem Monat hat sich die Zahl der Neuinfektionen sowohl in ganz Indonesien als auch in Bali etwa verzehnfacht. Gestern wurde mit 678 Ansteckungen der höchste je registrierte Wert an täglichen Covid-19-Fällen in Bali registriert, nachdem die tägliche Ansteckungsrate schon unter 50 gefallen war.

Am 1. Juli deklarierte der Präsident Indonesiens, wohl zu spät, einen harten Lockdown vom 3. bis 20. Juli für Java und Bali, die am meisten vom Virus heimgesuchten Inseln Indonesiens. Der Lockdown, der nun mit aller Strenge im Land umgesetzt wird, kommt einem Knock-out gleich für die schon extrem stark betroffene Bevölkerung Balis. Alle Restaurants sind entweder ganz geschlossen, oder mussten auf Takeaway umgestellt werden und müssen um 20 Uhr schliessen. Zur selben Zeit werden die Strassenbeleuchtung ausgeschaltet sowie die Internet-Hotspots auf öffentlichen Plätzen eingestellt. Alle Einkaufsläden sind geschlossen und nur Geschäfte, die Grundnahrungsmittel anbieten, dürfen offen bleiben, aber auch das nur bis 20 Uhr. Alle Schulen sind geschlossen. Ebenso alle öffentlichen Plätze wie beispielsweise die berühmten Surf- und Bade-Strände von Kuta und Jimbaran sowie sämtliche Sportanlagen wie Tauchbasen und Golfplätze. Allein auf Bali sind von der Polizei an 39 strategischen Punkten Checkpoints errichtet worden, um Leute daran zu hindern, sich ohne triftigen Grund von zuhause fortzubewegen. Den freiheitsliebenden Balinesen, denen nichts fremder ist, als Anordnungen der Obrigkeit bereitwillig zu folgen, muss es vorkommen wie in einem Krieg. Keine Arbeit, kaum zu Essen, keine Freiheiten mehr sich zu versammeln, was die Balinesen überhaupt am liebsten tun. Eine Tempelzeremonie in unserer Gemeinde - etwas vom heiligsten für jeden Hindu im Dorf -, die sie sich nicht verbieten liessen, wurde von einem Aufgebot von 17 Polizisten begleitet, die peinlichst darauf achteten, dass jeder und jede eine Maske trug und sich niemand ungebührlich zu nahe kam. Man muss das in den Kontext stellen, dass sich in vor-Covid-Zeiten nie auch nur ein einziger Polizist in unsere Gegend verirrt hatte. Übrigens: seit dem 3. Juli werden ausländische Maskenverweigerer, die glauben, sich nicht an die Vorschriften halten zu müssen, nicht mehr mit Bussen bestraft – sie werden kurzerhand, ohne Möglichkeit eines Rekurses, aus Indonesien zwangsausgeschafft. Eine harte aber verständliche Massnahme, die im Kontext des ansonsten mehr als kulanten Umgangs Indonesiens mit den vielen ausländischen Gästen des Landes von der wachsenden Verzweiflung im Angesicht der Katastrophe zeugt.